Das Einstiegsgeld vom Staat: Wirksame Hilfe für Existenzgründer

Einstiegsgeld vom Staat Das zweite Buch des Sozialgesetzbuches (SGB II) beschreibt in Paragraph 16b eine spezielle Leistung für ALG II Empfänger, die sich selbständig machen wollen. Hierbei wird der Begriff "Einstiegsgeld" geprägt, eine zusätzliche Leistung, die unabhängig vom Arbeitslosengeld II bis zu einer maximalen Laufzeit von 24 Monaten zur Verfügung gestellt werden kann. Zweck dieser Unterstützung ist nicht die Finanzierung einer Geschäftsidee. Der Zuschuss soll dem Empfänger während der Anfangsphase seiner Selbständigkeit dabei helfen seinen Lebensstandard, auch bei zunächst niedrigen Einkünften, zu halten. So kann er neben dem Zuschuss schon selbständig Geld verdienen.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass das Einstiegsgeld nicht auf die ALG II Leistungen angerechnet wird. Der Empfänger erhält den Betrag also zusätzlich zu der sonstigen Unterstützung. Für wen ist das Einstiegsgeld erhältlich, welche Schritte sind zur Beantragung erforderlich, in welcher Höhe und für welche Dauer können entsprechende Zuschüsse gewährt werden? Diese und weitere Fragen werden im Folgenden umfassend beantwortet.


Die Beantragung von Einstiegsgeld in der Übersicht

Eines vorab: Das Einstiegsgeld ist eine "Kann-Leistung", deren Gewährung durch den Fallmanager der Agentur für Arbeit individuell entschieden wird. Es gibt hieraus keinen verbindlichen Rechtsanspruch, wenngleich die Mitarbeiter der Agentur angewiesen sind, aktive Unterstützung zu gewähren, wenn einem ALG II Empfänger hierdurch der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt gelingt. Voraussetzung für die Gewährung von Einstiegsgeld ist, dass die geplante Selbständigkeit als Vollzeittätigkeit ausgeführt wird und die anfänglichen Erträge hieraus zu Beginn so gering sind, dass auch weiterhin Anspruch auf ALG II bestehen würde.

Der Antrag erfolgt über den individuellen Fallmanager und bedingt die Vorlage einiger Unterlagen. Zunächst muss das geplante Geschäftsmodell in Kurzform beschrieben werden. Hierbei sollte man darauf achten, dass die Beschreibung gut verständlich und auch für fachfremde Personen nachvollziehbar ist. Immerhin ist der Fallmanager kein Experte für Existenzgründungen und kennt sich mit spezifischen Branchen und deren Marktposition wahrscheinlich nicht sonderlich gut aus. Da der Fallmanager weitgehend alleine über die Bewilligung des Einstiegsgeldes entscheidet, ist es wichtig, ihn von dem Vorhaben und seiner Tragfähigkeit zu überzeugen.

Weiterhin muss ein Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplan eingereicht werden. Hier sollten sämtliche Kosten verzeichnet sein, die bei der Umsetzung der Geschäftsidee entstehen, bevor diese eigene Erträge erwirtschaften kann. Anschaffungen von Maschinen, Geräten und Werkzeugen gehören ebenso in diese Aufstellung wie nötige Arbeiten an den Geschäftsräumen und der Erwerb von technischen Geräten. Außerdem muss der Plan erläutern, wie die nötigen Aufwendungen finanziert werden sollen.

Abschließend fordern die Agenturen für Arbeit eine Vorschau auf die Umsätze und die Rentabilität. Hier müssen die zu erwartenden Umsätze des künftigen Unternehmens den dabei entstehenden Kosten gegenüber gestellt werden. Einnahmen erzielen Sie über den Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen. Kosten entstehen durch den Einkauf von Produkten beim Großhandel, beim Hersteller oder auch von Restposten und Sonderposten, die Beschäftigung von Mitarbeitern und Hilfskräften, die Miete und die Nebenkosten für die Geschäftsräume, die Unkosten für Internet und Telefon und die Ausgaben für Werbung und Marketing. Wenn Sie diese Berechnungen mit Sorgfalt durchführen, dann erhalten Sie selber ein zutreffendes Bild von den Erfolgsaussichten Ihrer Geschäftsidee. Ist die Aufstellung plausibel und vollständig, dann bietet sie gute Voraussetzungen, um den Fallmanager von Ihrer Idee zu überzeugen.

Eine wertvolle Unterstützung bei der Erstellung eines solchen Business-Plans leistet eine Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Unter www.existenzgruender.de finden angehende Unternehmer nicht nur vielfältige Informationen sondern auch ein Onlineprogramm, dass Sie bei der Erstellung eines professionellen Business-Plans unterstützt.


Die Höhe und die Dauer des Einstiegsgeldes: Mit dieser Unterstützung können Sie rechnen

Wenn es Ihnen gelungen ist, den Fallmanager von Ihrer Geschäftsidee zu überzeugen, wenn er zu der Auffassung kommt, dass Sie die Vorkosten kennen und finanzieren können und dass Ihr künftiges Unternehmen ausreichende Gewinne abwerfen wird, dann sind die Voraussetzungen für die Beantragung bereits erfüllt. Der Fallmanager wird in diesem Fall die Höhe und die Dauer der zusätzlichen Unterstützung individuell festlegen und hierbei die Durchführungshinweise der Bundesagentur für Arbeit als Maßstab ansetzen.

Insgesamt gilt, dass Einstiegsgeld maximal für einen Zeitraum von zwei Jahren gewährt werden kann. Die Genehmigung erfolgt jeweils für sechs Monate. Die maximale Höhe des Einstiegsgeldes wurde auf 100 Prozent des ALG II festgelegt. Somit stehen im Maximalfall 351,00 Euro pro Monat zur Verfügung. Dabei sind die Fallmanager angewiesen, die Höhe der Unterstützung bei jeder Verlängerung der Leistung schrittweise zu reduzieren. In der Regel erhalten Existenzgründer in Deutschland ein Einstiegsgeld in Höhe von 50 Prozent des ALG II, also 175,50 Euro. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Fallmanager zusätzliche Zuschüsse auf der Basis von Darlehn, zur Anschaffung von teuren Geräten, Maschinen oder anderen Gegenständen, die Sie zur Ausübung Ihres neuen Berufes benötigen.

Bedenken Sie in jedem Fall, dass die Agenturen für Arbeit den Zuschuss nur dann genehmigen, wenn die Aussicht darauf besteht, dass Ihre neue Tätigkeit sich zu einer tragfähigen Existenz entwickelt. Das vorgelegte Konzept und der Business-Plan müssen den Fallmanager auch dann überzeugen, wenn er mit Ihrem direkten Arbeitsumfeld nicht vertraut ist. Sich mit der Erstellung der Pläne große Mühe zu geben hat einen weiteren Vorteil: Sie setzen sich aktiv mit Ihrer Geschäftsidee auseinander, entdecken dabei vielleicht Lücken oder Verbesserungspotentiale und lernen von Anfang an, Ihr künftiges Unternehmen überzeugend nach Außen zu vertreten.



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